24 Oktober 2008

Künstler und ihre Forderungen

Die Forderung nach angemessener Bezahlung für unsere Arbeit höre ich von den Kollegen immer wieder ? aber ich glaube, das können wir vergessen ? zumindest so lange wir uns vorstellen, dass dazu ein ominöser Sammler unsere Werke in regelmäßigen Abständen kaufen und uns damit unseren Lebensunterhalt finanzieren soll. Diese Idee, als Künstler im stillen Kämmerchen vor sich hinzuwerkeln und damit zugleich seinen Lebensunterhalt zu sichern, ist illusorisch.

Vielleicht liegt es daran, dass uns dieser Kunstmarkt-Hype, wo viel Geld umgesetzt und verdient wird, den Blick verstellt. Der Kunstmarkt-Hype funktioniert genau so, wie die Immobilienblase funktionierte: genügend Leute verdienen daran und sorgen dafür, dass es weitergeht - und es wird idealerweise auch noch lange Zeit so sein. Kunst existiert, ebenso wie die Schrottimmobilien existieren, nur die Bewertungen sind eben maßlos übertrieben.

Von diesen Marktverzerrungen jetzt aber für jeden Künstler einen Anspruch auf angemessene Bezahlung abzuleiten ist irgendwie... naiv. Der Kunstmarkt ist und bleibt eine Blase.

Auch glaube ich, dass wir Künstler selbst unsere künstlerische Tätigkeit falsch einschätzen ? und teilweise überbewerten. Kunst ist wichtig ? aber in erster Linie für uns selbst. Indem man künstlerisch arbeitet ? und das ist meine Erfahrung - entwickelt man die eigene Persönlichkeit fort, man befreit sie von allem, was nicht wirklich zu ihr gehört, von den Einflüssen und Anpassungen an das Außen. Man spürt sich selbst und bekommt Zugang zu dem, was im eigenen, tiefsten Inneren bewahrt ist.

Wer aber soll einen für diese Tätigkeit bezahlen? Kunst schaffen ist so ähnlich wie Meditation betreiben: wenn ich mich 4 Stunden lang hinsetze und meditiere, fühle ich mich besser. Aber wieso soll mir jemand dafür 400 Euro auf mein Konto überweisen? Gut, ich kann sagen, meine Meditation war für den Weltfrieden, aber trotzdem: daraus einen Anspruch auf Bezahlung abzuleiten, ist illusorisch.

So viel zur freien Kunst. Es gibt ja immer noch die Auftragskunst: die gehört bezahlt, aber da sind die Verhältnisse ja ohnehin klarer. Bloß: wer im Auftrag arbeitet, der ist nicht länger frei, sondern eher eine Art... KunstDIENSTLEISTER. Für den Bereich bildende Kunst fallen mir da Auftragsbilder ein, aber auch Kunstunterricht, Kunstvermietung zu Dekozwecken, Bildrechte für Kunstkalender, Beteiligung mit meinen Arbeiten an öffentlichen Ausstellungen (natürlich gegen Ausstellungshonorar) - oder eben auch mal gelegentliche Sammlerverkäufe.

Ich glaube, es ist eine wichtige Erkenntnis, dass ich (und ich glaube, das gilt für alle Künstler) in meinem Atelier auf eigene Kosten vor mich hinarbeite. Als Folge dieser Erkenntnis biete ich aber jetzt auch mit viel größerem Selbstbewusstsein ganz bestimmte (Kunst-)Dienstleistung gegen angemessene Bezahlung in Form von Ausstellungshonoraren, Bildhonoraren, Stundensatz für Unterricht etc. an. Und wenn sich ein deal in Bezug auf Aufwand/Erlös mal nicht rechnet, dann schlage ich dieses Geschäft auch selbstbewusst aus.

Ist das nicht besser, als weiterhin unbezahlt im Kulturzirkus mitzuwirken und ansonsten ein almosenhaftes Kultureinkommen für Künstler zu fordern (während man zur Zwischenfinanzierung die eigenen Ersparnisse aufbraucht)? Der Künstler als Dienstleister... irgendwie sind wir da in der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft ver.di schon ganz richtig gelandet...

Nunja. Und vielleicht ist die schon fast sprichwörtliche finanzielle Misere, in der sich die meisten Künstler befinden, ja auch die göttliche Rache für unsere Hybris, nämlich uns anzumaßen, nur wir wären die Künstler und sollten aufgrund dieser Tatsache bezahlt werden ? und zwar vom Rest der Welt, der dazu verdammt ist, unser Publikum zu sein?

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