11 Mai 2009

Werte II: Konsumismus, zielgruppengenaue Werbung und der Homo altruisticus

Ich glaube, je länger und intensiver man Konsumismus lebt, um so unausweichlicher wird die Erfahrung des Prekariats, denn natürlich hier greift auch hier das Polaritätsgesetz.

Nichtsdestotrotz - wer möchte schon im Präkariat enden - werden wir von der Werbung immer intensiver und mit immer ausgefeilteren Methoden in Richtung Konsumismus gedrängt, die zielgruppengenaue Werbung, wie sie in letzter Zeit z. B. von Google praktiziert wird, ist aktuell eine der schärfsten Waffen.
Rishad Tobaccowala, ein Manager der Werbeagentur Publicis, fasste diesen für die Werbewirtschaft paradiesischen Paradigmenwechsel in einem Interview mit dem Economist mit einer beeindruckend brutalen Metapher zusammen: Die herkömmliche Werbung verglich er mit der Bombardierung einer Stadt, "man weiß nie, wen man trifft und wen man verfehlt. Mit Internetanzeigen aber stellen die Unternehmen zahlreiche feine Speerspitzen auf und bringen die Menschen dazu, sich selbst aufzuspießen."
SZ Technik vom 07.05.2009
Eine erstaunlich Formulierung. Zielgruppenorientierte Werbung bring Menschen also noch stärker dazu, sich selbst ans Messer zu liefern. Aber um welches Messer geht es? Um den finalen finanziellen Ruin und das Abrutschen ins Prekariat? Kann der Homo oeconomicus überhaupt gewinnen?

Im aktuellen Wirtschaftsparadigma geht es im Grunde darum, anderen Menschen das Geld aus der Tasche zu ziehen, indem man ihnen Dinge verkauft. Und zwar indem man ihre Schwächen und Ängste ausnutzt, anstatt ihnen - aber das wäre Alturismus - zu helfen.

Und weil Altruismus für den Homo oeconomicus absolut kontraproduktv ist, wird klar, warum die klassischen helfenden Berufe so gering geschätzt und entloht werden - denn es geht es ja nicht darum, den Mitmenschen zu helfen, sondern sich an ihnen zu bereichern und bestenfalls Brutal viel Geld (zu) verdienen (am Wochenende erschien ein sehr interessanter ZEIT-Artikel gleichen Titels).

Wenn das die Gründe für den überzogenen Konsumismus sind, der zwar die Wirtschaft befeuert, aber viele Menschen - und letztendlich auch Homo oeconomicus selbst - in Armut stürzt, was sind dann die Wege aus dem Prekariat?

Vielleicht: ein genereller Paradigmenwechsel. Weg vom Homo oeconomicus der nur an seinem eigenen Wohl interessiert ist, hin zum Homo altruisticus (für dem es bezeichnenderweise keinen Wikipedia-Eintrag gibt!) - der sich für das Wohlergehen seiner Gemeinschaft einsetzt.

Passend: die ARD-Themenwoche 2009: Ehrenamt.
Von Sonntag, 10. Mai, bis Samstag, 16. Mai 2009
Und hoffentlich länger.

0 Comments:

Kommentar veröffentlichen

Links to this post:

Link erstellen

<< Home