Hommage an... - über die Inspiration in der Kunst
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II
Hommage an.... bewegt sich in einem Randbereich: dem Grenzbereich
zwischen Kunst und Nicht-Kunst...
Bei der Arbeit am Konzept zu Hommage an... habe ich mich mit verschiedenen
kunstphilosophischen Positionen beschäftigt. Besonders interessant
fand ich dabei Immanuel Kant (1724 - 1804), Benedetto Croce (1866 - 1952)
und Arthur C. Danto (1924).
Immanuel Kant
Für Immanuel Kant liegen dem Kunstschaffen Ästhetische
Ideen zugrunde, also Anschauungen, ein in seinen Grenzen unbestimmtes
Feld verwandter Vorstellungen, die das Gemüt beleben, keinem
Begriff zuzuordnen sind und nur dargestellt, nicht aber diskursiv
fixiert werden können. Die Fähigkeit, solche ästhetische
Ideen zu entwickeln, sei das eigentliche Kennzeichen des künstlerischen
Genius: es lässt sich von ihnen leiten und folgt ihnen scheinbar
absichtslos und meist auch (sich selbst) unbewusst auf seinem schöpferischen
Weg.
Hommage an... forscht nach diesen das "Gemüt belebenden
verwandten Vorstellungen". In meiner Ausschreibung an die
teilnehmenden Künstler fragte ich:
- Wer beeinflusst mich?
- Woher kommt die Idee zu einer Arbeit, zu einer bestimmten Werkgruppe?
-
Welche Bücher haben mich beeinflusst, welche Musik, welche
Filme?
-
Welche anderen Künstler (oder einfach nur Menschen) sind mir
Vorbilder, wen konsultiere ich (und sei es in Gedanken), wenn ich
für einen Moment nicht mehr weiter weiß, wenn ich feststecke
inmitten einer Arbeit, und plötzlich geht es dann doch
wieder?
Meist kann man als Kunstschaffender noch nicht einmal selbst sagen,
wie und aus welchen Gründen sich Ideen im Kopf zusammenfinden;
eine ästhetische Idee kann ohnehin nicht begrifflich (diskursiv)
fixiert werden: Sie ist und bleibt eine "inexponible Vorstellung
der Einbildungskraft" und so ist Installation vielleicht günstigstes
Ausdrucksmittel.
Natürlich haben die Künstler im Projekt Hommage
an... nur jeweils einen Aspekt, einen einzigen
Einfluss auf ihr Kunstschaffen dargestellt. Eine ästhetische
Idee basiert jedoch immer auf vielen verschiedenen Einflüssen.
Benedetto Croce
Für Benedetto Croce ist jedes Kunstwerk Ausdruck von Erkenntnis,
wobei speziell beim Kunstschaffen intuitive Erkenntnis gefordert
ist. Intuitive Erkenntnis - das hat mit Phantasie und Wahrnehmung
zu tun; sie vermittelt Vorstellungsbilder aber keine verstandesmäßig
greifbaren Begriffe; Eine Intuition ist die aktive, geistige Formung
einen vorgegebenen Stoffes, der seinerseits aus einem Komplex von
Empfindungen besteht.
Also... der Künstler zieht folglich eine Art "Fazit" aus
Empfindungen, er fühlt, und dann "erkennt" er plötzlich
etwas - und drückt es aus. Die Klarheit des Ausdrucks
zeigt die Klarheit der Erkenntnis, und ebendies ist für Croce
Qualitätskriterium der Kunst.
Croce sagt: "Der Künstler erfasst mehr als wir anderen." Das
ist so ähnlich wie... "zwischen den Zeilen lesen"...
der Künstler sieht diesen Film, liest dieses Buch, hört
diese Musik... und zwischen den Zeilen sieht er plötzlich
etwas ganz anderes, neues... drücken es aus... als KUNST.
Die "Altäre" von Hommage an... geben insofern einen
kleinen Einblick in den "Komplex von Empfindungen" aus
denen durch aktive geistige Formung eine Intuition entstehen wird/entstand,
die dann die Grundlage für ein Kunstwerk bildet.
Arthur C. Danto
Arthur C. Danto konkretisiert diese Vorstellung noch weiter wenn
er sagt: Kunst ist immer über etwas (aboutness); die Interpretation
ist wichtig, das Wissen um die Entstehungssituation, um den historischen
Bezug, um den Werkkontext. Wenn sich mit dem Wissen über das "about" die
Wahrnehmung des Werkes verändert, dann deswegen, weil an die
Stelle des "Dinges" ein Kunstwerk getreten ist.
Damit verschiebt sich auch die Grenze zwischen "bereits Kunst" und "noch
nicht Kunst": Hommage an... ist eine Arbeit über den
künstlerischen Schaffensprozess an sich - und somit
selbst: Kunst. Auch hier gilt wieder: das Kunstwerk vermittelt
Wissen, Erkenntnis; Hommage an... ist die Sichtbarmachung
der inneren Landschaft aus der die Kunst kommt, aber nicht auf
begriffliche
Weise (wie die Philosophie es täte), sondern: metaphorisch,
selbst wieder: in einem Bild, einer Installation. Dennoch: Kunst
und Philosophie nähern sich an...
Künstleraltäre
Eine Arbeit von Thomas Hirschhorn hat mir Anstoß zum Projekt Hommage
an... gegeben. Auch er hat "seinen Künstlern" Altäre
gebaut. Was sind die Unterschiede? Ich kann es nicht wirklich sagen,
außer von Fotos und kurzer Beschreibung kenne ich die Arbeiten
nicht; Ich weiß nicht, inwieweit sich Hirschhorn darin tatsächlich
mit dem Thema "Beeinflussung" und dem philosophisch diskutierten
Entstehungsprozess eines Kunstwerkes beschäftigt - zwei
Aspekte, die mich persönlich sehr interessieren. Mein Focus
ist die Frage: Was ist ein Kunstwerk, wie entsteht ein Kunstwerk,
wann passiert dieser Moment, der des Loslösens, wenn das Kunstwerk
ins Sein tritt, quasi "geboren" wird?
Und vielleicht sind die einzelnen Installationen von Hommage
an... in letzter Instanz sogar etwas ganz anderes: Portraits der
Künstler - ihrer
selbst... ihrer inneren Landschaft... vielleicht nicht unbedingt
ihrer selbst wer sie als "Alltagsmenschen" sind, auf
alle Fälle aber "wer sie als Künstler sind".
Karin U. Soika
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