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FROM THE DEEP BLUE No. 08
30 x 30 cm (12" x 12")
Acrylic/Canvas, 2005 |
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Über meinen künstlerischen
Arbeitsprozess
Ich fertige keine (visuellen) Skizzen für meine Bilder
an. Das ist mir immer wieder als eklatanter Unterschied zur Arbeit
anderer, abstrakt arbeitender Künstler aufgefallen. Dafür
haben meine Arbeiten stets sehr explizite Titel bzw. sind Serien
zugeordnet und beziehen sich auf konkrete Erlebnisse oder identifizierbare
Situationen.
Im Jahr 2003 habe ich angefangen, längere Texte zu bestimmten
Werkgruppen zu schreiben (z. B. "Sati" oder "The
Lotus Feet"). 2005, mit der Serie "Cinque
Leoni", wurde
mir klar, dass nicht visuelle (also gezeichnete) sondern sprachlich-emotionale
Skizzen den Ausgangspunkt für meine Arbeiten bilden. Drei
der fünf Leoni-Bilder konnte ich zügig fertigmalen,
während mir die beiden anderen schwer fielen. Ich war tagelang
unschlüssig und probierte herum, wobei die Titel der Bilder
zu diesem Zeitpunkt aber bereits feststanden und es auch klar
war, welches Bild sich auf welche Begegnung bezieht.
Irgendwann nahm ich meinen Skizzenbuch und schrieb jeweils einen
längeren, tagebuchartigen, privaten Text über die Begegnung.
Im Schreiben reflektierte ich die Situation, ordnete sie, versuchte,
sie zu "abstrahieren", d. h. eine zugrundeliegendes
Schema zu erkennen. Als ich das Schema (die Matrix) meiner persönlichen
Erfahrung erkannt hatte, konnte ich das Bild zügig fertigmalen.
Vielleicht ist diese Art der Bildentwicklung am ehesten mit
der Rollenarbeit eines Schauspielers zu vergleichen: die im Stück
vorgegebene Rolle muss sich der Schauspieler erarbeiten indem
er Versatzstücke seiner persönlichen Biographie und
seiner Erfahrungen mit genauen Beobachtungen seiner Umwelt so
lange kombiniert, bis er ein klares emotionales Bild des zu spielenden
Charakters hat. Erst dann kann er die Figur überzeugend
darstellen.
Zu den "Beobachtungen der Umwelt" folgende Ergänzung:
Bisweilen begegne ich Menschen, zu deren Gefühlen ich Zugang
habe; manchmal sind diese Gefühlswelten völlig ungeordnet,
chaotisch, unsteuerbar. Ich lasse mich darauf ein, springe in
de Flut, werde selbst zum Spielball - bis ich sie dominiere...
und schließlich die innewohnende Ordnung, den zugrundeliegenden
Archetypen erkennen kann. Vielleicht könnte ich es so beschreiben:
Ich nehme Energiepartikel dieser Gefühle anderer wahr, reproduziere,
multipliziere sie in mir selbst, um sie dann in meiner eigenen
Wahrnehmung zu verändern, neu zu ordnen bis ich ein/mein
klares emotionales Bild habe. Erst dann kann ich mein (Tafel-)Bild
fertigmalen.
Wenn ich dann wieder langsam aus so einer "Flut" auftauche,
dann bleiben mir nur noch die gefundenen Titel, Seiten von Papier
und Tagebuchnotizen. Irgendwann werde ich die Bilder fertiggemalt
haben und den Text so poliert und gekürzt, dass er präzise
ist, alle Mitspieler anonymisiert und eine gewisse distanzierte
Kühle ausstrahlt.
In einem Interview mit Gerhard Richter(i) wurde erwähnt,
dass augenblicklich seine Werke und seine Biografie bis ins letzte
Detail durchleuchtet werden. Richters Bemerkung hierzu lautete: "zum
Werkverständnis können biographische Details nur bedingt
beitragen."
Tatsächlich empfinde diesem Zusammenhang ich ähnlich:
irgendwann tritt meine persönliche, biographische Erfahrung
zurück hinter... die "Rolle im Stück"; meine
Arbeiten sprechen dann nicht länger über "mich",
sondern ganz allgemein über Aspekte und Erfahrungen menschlichen
Lebens.
(i) "Mich interessiert der Wahn":
Der Maler Gerhard Richter über die viel zu teure Gegenwartskunst, über
Schönheit als Programm gegen die Verwahrlosung und seine
künstlerische Auseinandersetzung mit einer
schwierigen Familiengeschichte.
Der Spiegel 33/2005, 15. August 2005, http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,369580,00.html
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