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GAVIOTA_X601
18 x 24 cm (7" x 9")
Mixed Media/Canvas, 2006 |
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Warum beschäftigen sich Menschen
mit Kunst?
Oder: ist es verwerflich,
das rote Bild zu kaufen, weil es zum Sofa passt?
Um die zweite Frage gleich vorab zu beantworten: ich denke,
es ist nicht verwerflich. Es ist ein akzeptabler Grund. Befragt
man 100 Kunstinteressenten, erhält man sicherlich 100 verschiedene
Beweggründe für ihren Kunstkauf genannt. Was tatsächlich
wichtig ist, ist ihre Offenheit und ihr Interesse an der Kunst.
Deswegen lautet auch die wahrscheinlich intelligentere Frage:
warum fühlen sich Menschen zu Kunst hingezogen?
Kunst ist Wissen
Was ist Kunst eigentlich, und worum geht es bei Kunstschaffen?
Viele Menschen vermuten, dass sich das deutsche Wort "Kunst" von "können" herleitet.
Die wenigsten jedoch bedenken, dass die ursprüngliche
Bedeutung von "können" "etwas wissen" ist.
Ein Kunstwerk ist demzufolge eine Art Wissenspaket, ein greifbares
Objekt, das Informationen enthält. Kunst materialisiert
und verdichtet Informationen (Vorgewusstes, Ungewusstes, Geahntes),
Erkenntnisse, Daten, Energie. All dies wird dem Betrachter simultan
und in einer sinnlich wahrnehmbaren Form zur Verfügung gestellt.
Der Philosoph Benedetto Croce (1866 - 1952) sagte: "Der
Künstler erfasst mehr als wir anderen." Wenn die Welt
ein Buch wäre, dann lesen wir das Inhaltsverzeichnis - die
Künstler jedoch die Kapitel: jeder ein anderes.
In der Kunst geht es demzufolge um Wissen - und Wissen zählt
als Aktivposten in der Wirtschaftslehre. Wer über mehr Wissen
als sein Mitbewerber verfügt, ist im Vorteil.
Kunst erfordert Kontemplation und Stille
Als Kind lernte ich Sprachen, heute spreche ich fünf. Und
erinnere mich noch immer daran, wie viel Mühe es mich gekostet
hat. Wir alle wünschten uns damals einen Chip, den man einfach
nur unter die Haut pflanzen müsse, um dann von einem Moment
auf den anderen eine neue Sprache fehlerfrei sprechen und schreiben
zu können. (Soweit ich weiß wurde diese Erfindung
immer noch nicht gemacht..)
Wissenstransfer durch Kunst funktioniert anders als die Arten,
auf die wir normalerweise lernen. Es passiert durch eine Art Übertragung:
indem man sich auf ein Kunstwerk einlässt, entsteht neues
Wissen in einem selbst. Wissen, das möglicherweise verbal
schwer fassbar ist (sonst hätte der Künstler auch ein
Fachbuch schreiben können), nichtsdestotrotz aber: Wissen.
Wissen - wie jenes das man als Kind erhielt, auf den Knien
des Großvaters sitzend, endlosen Erzählungen lauschend...
Wissen, wie jenes, wenn man der Großmutter beim Kochen
geholfen hat.
In beiden Fällen geht es um das Teilhaben am Erfahrungshorizont
eines anderen Menschen. Das vermittelte Wissen ist vielleicht
in der unmittelbaren Situation nicht direkt anwendbar, bietet
im Gesamtzusammenhang aber dennoch eine unverzichtbare Entscheidungshilfe.
Wissenstransfer
Augenblicklich gibt es verschiedene Forschungsgruppen, die sich
mit dem Wissenstransfer zwischen Kunst - Wirtschaft - Wissenschaft - Philosophie
beschäftigen. Unternehmensberater wie Dr. Michael Brater
(Berater der dm-Drogeriemarktkette, Deutschland) favorisieren
künstlerisches Handeln als Strategie, sich in einem stark
verändernden Wirtschafsumfeld zu behaupten. Künstler
sind hierbei Vorreiter und Wegweiser.
Warum beschäftigen sich Unternehmen also mit Kunst? Weil
sie die Zeichen der Zeit erkannt haben. Weil sie verstanden haben,
dass, wenn sie sich vom globalen Dialog, der (auch) über
die Kunst geführt wird, selbst ausschließen, bald
ausgeschlossen sein werden.
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