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FROM THE SUNNY ISLANDS_10
18 x 24 cm (7" x 9")
Acrylic/Canvas, 2006 |
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Ist Kunst Luxus?
Oder: wer fördert eigentlich wen?
Sommer 2007, "Open Studio" im Münchner Kunstpavillon. "Kunst
ist kein Luxus" steht in Leuchtschrift über der Eingangstür
des Pavillons im Alten Botanischen Garten. Nachdenken und arbeiten über
die Frage, ob Kunst jetzt Luxus oder eben doch kein Luxus ist.
Kunst und Luxus I: Wem gehört die Kunst?
In einer Publikation
anlässlich der 100jährigen Fertigstellung
des Glaspalastes, den zerstörten Vorgänger des Kunstpavillons
schrieb Hannes König, der das Gebäude nach dem Zweiten
Weltkrieg restauratorisch rettete: "Im Pavillon Alter Botanischer
Garten können Sie in Ausstellungen, die das ganze Jahr über
gezeigt werden, Werke der Malerei, Grafik und Plastik sehen.
Der freie Eintritt ermöglicht einen mehrmaligen Besuch und
erleichtert Ihnen die Wahl, wenn Sie eventuell einen Kauf beabsichtigen.
Das Produkt "Kunst" wird also zugänglich, das
Angebot wendet sich in einer Art Gegenentwurf zur Vermarktungskette,
der Kunst als Luxusgut unterworfen ist und astronomische Auktionsergebnisse
erzielen kann, direkt an die Bevölkerung. Von Luxus lässt
sich das lateinische "lux" ableiten. Lux (spanisch "luz")
bedeutet "licht". In dem sich Kunst direkt an die
Massen wendet, zieht Luxus (Licht) ein in die Häuser des
Volkes, er wird selbstverständlich, wenn Kunst öffentlich
zugänglich wird.
Kunst und Luxus II: Die Produzenten.
Wer meint, dass die Bereitstellung von Ausstellungsraum (wie
z. B. im Kunstpavillon) bereits "Künstlerförderung" sei,
liegt falsch - obwohl diese Vorstellung immer noch in vielen
Köpfen festsitzt. Tatsächlich ist Ausstellungstätigkeit
für die meisten Künstler eher eine Art Luxus, denn
ganz offensichtlich hat das Geschäftsmodell "Ausstellung" für
Produzenten längst ausgedient. Heute passiert es kaum noch,
dass ein Kunstliebhaber spontan zum Förderer mutiert, der
es dem Künstler durch einen Ankauf ermöglicht, kostendeckend
zu arbeiten oder gar seinen Lebensunterhalt zu bestreiten.
De facto ist es heute eher so, dass Ausstellungstätigkeit
die Kunstschaffenden Geld, Zeit und Energie kosten, statt Einnahmen
zu bescheren. Unterm Strich sind Ausstellungen überwiegend
Verlustgeschäfte, die bestenfalls unter "Werbungskosten" verbucht
werden können.
Für uns Künstler im Gremium "Kunstpavillon e.
V." bedeutet der Betrieb des Pavillons ferner, dass wir
Arbeit leisten, für die wir anderorts bezahlt würden:
organisatorische Verantwortung, unentgeltliche Büro- und
Administrationstätigkeit. (Eine Bemerkung am Rande, die
die Skurrilität der Situation zeigt: Künstler A, etwas
frustriert über die sporadische Jurytätigkeit und gehäufte
administrative Arbeit im Pavillon: "Eigentlich könnte
das jeder (also auch ein Nicht-Künstler) tun." Künstler
B: "Ja, aber keiner tut's unentgeltlich. Nur wir.")
Kunst und Luxus III: Wer fördert wen?
Wenn der Pavillonbetrieb also keine Künstler fördert,
sondern sie zeitlich und finanziell sogar noch zusätzlich
belastet, wen fördert er dann? Es bleiben: die Bürger,
die Besucher des Pavillons, und das seit ein paar Monaten sogar
wieder bei freiem Eintritt. Der Pavillon fördert also das
kunstsinnige Publikum, indem er zeitgenössische Kunst zugänglich
macht.
Das ist sehr lobenswert und wird zunächst einmal durch
die Landeshauptstadt München ermöglicht, die die Betriebskosten
des Gebäudes finanziert; dann durch all die Künstlerkollegen,
die die organisatorische und administrative Bürde unentgeltlich
und aus Idealismus tragen; vor allem aber dank all der Künstler,
die schöpferisch tätig sind, ihre Arbeit quasi ohne
nennenswerte Förderung von außen selbst finanzieren
und die entstandenen Werke dem interessierten Publikum gerne
bereitwillig und auf eigene Kosten zeigen.
Den Begriff Kunstmäzenatentum verbindet man gewöhnlich
mit Stiftungen und großzügige kulturelle Förderung.
Tatsächlich aber sind es vor allem künstlerische Eigenleistung
und der finanzielle sowie zeitliche Einsatz von Künstlerinnen
und Künstlern, die Kunst für ein breites Publikum erfahr-
und erlebbar machen.
Es geht mir an dieser Stelle weniger um das bekannte Lamento,
dass Künstler ohne Auftrag und meist unentgeltlich arbeiten
(obwohl man dies kritisch sehen muss, denn es treibt viele Jahr
um Jahr tiefer in finanziell bedenkliche Situationen). Ich würde
mir ganz einfach wünschen, dass Künstlerinnen und Künstler
für ihre gesellschaftliche Leistung Anerkennung erfahren - welcher
Art auch immer.
Dieser Artikel wurde publiziert in: Kunst + Kultur,
Tübingen, Ausgabe 3/2007
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