Hommage an... Otto Dreßler
Andreas P. Schulz, München
Geschichte machen - Mein lustiges Barrikadenspiel
Jedesmal wenn alte und neue Nazis wieder einmal demonstrativ aus
ihren Löchern kriechen, rufen die offiziellen Großkopferten
dazu auf, sich ihnen entschlossen entgegenzustellen und den braunen
Spuk nicht zu dulden.
Jedesmal nehmen meine Kinder diese Aufrufe ernst und die demokratisch gewählten
Politiker beim Wort.
Jedesmal werden sie dann bedrängt, genötigt, verfolgt und verletzt.
Jedesmal nicht durch die Nazis, sondern durch die Polizisten unserer freiheitlichen
Schönwetterdemokratie.
So entwickelten sich meine Kinder in kurzer Zeit von engagierten Jugendlichen
zu erwachsenen Zynikern.
Bei der Frage: "Wie schütze ich meine Kinder?" kam mir
der Verfremdungskünstler Otto Dressler in den Sinn, der all seine
Kunst in den Dienst der Menschlichkeit und einer fruchtbaren Erinnerung
stellte, seinen Finger in offene Wunden hielt und so seinen Beitrag zur
Heilung unserer Gesellschaft leisten wollte. Die nachhaltige Wirkung seiner
Aktionen und Installationen haben mich bewegt und ermutigt.
Die Kiste habe ich aus den Überresten des Kinderzimmers gebastelt;
die Beschläge habe ich in einem der hierzulande so beliebten Baumärkte
gekauft; die Großkopf-Steine aber stammen von der Erweiterungsbaustelle
eines Münchener Partyservice, anscheinend haben die Großkopferten
hier immer etwas zu feiern.
Making History - my funny barricade game
Each time old and new Nazis demonstratively creep out of their
holes again, the official big-heads call upon a decided opposition
not to tolerate the brown spook. Each time my children take these
calls very seriously and follow the democratically elected politicians
by the word.
Each time they get oppressed, compelled, pursued and are injured.
Each time, and not through Nazis, but rather through policemen of our free
pretty-weather democracy.
So in very short time my children mutate from engaged youths to cynic adults.
When asking the question: "how to protect my children?" the alienation
artist Otto Dressler came into my mind, who put his entire art to the service
of humankind and a fruitful memory, putting his fingers into open wounds and
thus contributing to the healing of our society. The persistent effect of his
actions and installations moved and encouraged me. I built the box out of the
remnants of the children's room; I bought the fittings in one of the so widely
popular construction markets in this country; the large-head stones however
are from a construction site enlarging a Munich party service: apparently the
big-heads here have always something to celebrate.
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