01 September 2006

Projekt: Über den künstlerischen Schaffensprozess - HOMMAGE AN...

Normalerweise präsentieren wir (Künstler) unserem Publikum unsere "fertigen" Werke, manchmal sind alle Spuren des Schaffensprozesses restlos getilgt, das Kunstwerk steht/hängt da, losgelöst, ist herausgerissen aus dem Gespinst von Gedanken und Gefühlen, jener Matrix, die es zur Entstehung gebracht hat. Es steht für sich allein ? und das ist auch gut so, ein Kunstwerk muss für sich allein stehen.

Trotzdem: ich finde den Entstehungsprozess ebenfalls interessant, für mich als Künstlerin, wahrnehmen, wie ich eigentlich "zu diesem Kunstwerk gekommen bin", aber auch ? höchstinteressant ? wie das bei den Kolleginnen funktioniert.

Ja: wie macht ihr das eigentlich? Wie funktionieren eure Gehirnwindungen? anders als meine, GANZ anders als meine ? oder vielleicht: ähnlich?

Möglicherweise ist dieser "Blick hinter die Kulissen / Blick hinter die Stirn des Künstlers" auch für Kunstinteressierte bereichernd? manchmal komme ich mir doch vor, ein bisschen zumindest, wie ein ALIEN, in jener Welt der Normalbürger. Ab und an werfe ich ein Bild in die Welt? aber WIE ich zu dem gekommen bin bleibt nebulös?

Deswegen: HOMMAGE AN? ein kleiner Blick hinter die Stirn, hinein in die Gedankenprozesse künstlerischer Gehirne?


Individuelle HOMMAGE AN...


1. Inhalt


HOMMAGE AN... fragt z. B.: Wer beeinflusst mich? Woher kommt die Idee zu einer Arbeit, zu einer bestimmten Werkgruppe, welche Bücher haben mich beeinflusst, welche Musik, welche Filme? Welche anderen Künstler (oder einfach nur Menschen) sind mir Vorbilder, wen konsultiere ich (und sei es in Gedanken), wenn ich für einen Moment nicht mehr weiter weiß, wenn ich feststecke inmitten einer Arbeit, und plötzlich geht es dann doch wieder?

Beantwortet eine der Fragen in eurer Hommage, oder alle zusammen.

2. Form

Das Format der Hommage orientiert sich ein bisschen an VELORITO, einem Projekt, das ich im Web ausführlich beschrieben habe (http://www.soika.com/links/projekte/06d_velorito.htm). VELORITO ist eigentlich ein Traueraltar, HOMMAGE AN? ist in gewisser Weise ähnlich gelagert, verfolgt aber weniger psycho-soziale Ziele.

Konkret für teilnehmende Künstler stelle ich mir vor: einen imaginären Raum von ca. 50 x 50 x 50 cm zu füllen: mit all den Schnipseln, Fotos, Skizzen, Gedankenstützen, die sich so ansammeln auf dem Weg zu einem ? ggf. auch nur für einen selbst ? wichtigen Werk. Möglicherweise eine kleine Repräsentanz des Werkes selbst, ein Foto, ein Polaroid, ggf. ein (kleinformatiges) Original. Und natürlich: Bezug zur Quelle der Inspiration: welche Person war das? Welches Werk dieser Person, welche Äußerung. Ein Buch kann das sein, ein Absatz, ein Satz ? oder auch nur ein einziges Wort. Wie habt ihr die Verbindung gemacht, Zeitungsausschnitte, Fotokopien aus Büchern, mit Randnotizen versehen, ge-high-lighted...

Ein sehr intimer Einblick in euren konkreten Schaffensprozess soll entstehen. Ein bisschen: wie ein Atelierbesuch ? die bei den Ateliertagen aber doch sicherlich etwas neutraler und aufgeräumter sind als sonst. Ein intimer Einblick? ja das ist ein wichtiger Aspekt: Intimität.

Und ansonsten: die klassischen Ingredienzien einer Hommage? Kerzen, Blumen, Altar-Kitsch. Die Thomas Hirschhorn-Arbeiten (Link s. unten) sind da recht inspirierend. Llateinamerikanischer Gräberkitsch, Bollywood-Kitsch finde ich persönlich sehr nett. Ein wenig verrückt-pittoresk, bleibt aber in letzter Instanz euch überlassen.

3. Ergänzend: Statement

Was ich außerdem schön fände, wäre, wenn jeder teilnehmende Künstler auch auf einem DinA 4 Blatt ein kurzes Statement abgibt: eine Erklärung, ein Satz. Kann sein, muss aber nicht, so dass man neben dem HOMMAGE AN?-"Altar" noch so eine Art "Gedanken-Buch" hat, das die Betrachter zum Stöbern einlädt.

Meine Intention ist tatsächlich, diesem "künstlerischen Prozess auf die Spur zu kommen, bzw. ihn nachvollziehbar zu machen. Denn er ist sehr nebulös, aber ? vielleicht gerade deswegen ? höchst interessant und untersuchenswert.


Und zum Abschluss: Theorie...

Ich lese gerade ein kleines Büchlein, "Was ist Kunst" von Michael Hauskeller und fand darin einen Artikel über Benedetto Croce.

"? Für Croce [ist] Kunst nichts anderes als der Ausdruck intuitiver Erkenntnis?", wobei Intuition eine "aktive, geistige Formung eines Vorgegebenen Stoffes [ist]. Dieser Stoff ist ein Komplex von Empfindungen?" (alle S. 65).

Intuitive Erkenntnis, Komplex von Empfindungen? jaja, kennen wir (Künstler), wir wissen worum es geht, wir TUN es ja. Aber wie gestaltet sich dieser Prozess konkret bei jedem einzelnen von uns? DAS ist es, was mich beim Projekt HOMMAGE AN? interessiert.


Links

Thomas Hirschhorn hat mehrmals "Kioske" oder "Altäre" für die Künstler gebaut, die ihn für ihn wichtig, beeinflussend waren. Seine Installationen sind ausführlich dokumentiert, z. B.

http://www.fingerweb.org/fingerworld/hirschhorn/index.htm

http://sleekmag.com/sitemap/is_09/Hirschhorn/home.html

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