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Baustelle Lenbach - ein Künstlerprojekt

Kunstpavillon im Alten Botanischen Garten, München, 14.01. - 12.02.2006

Projektbeschreibung

Insgesamt 35 bislang unbekannte, teilweise großformatige Portraitstudien aus dem noch im Familienbesitz befindlichen Nachlass Franz von Lenbachs (i) werden erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Zeitgleich fand ein Wettbewerb zeitgenössischer Künstlerinnen und Künstler statt, die eingeladen wurden, anhand von sechs ausgewählten Arbeiten Lenbachs Bearbeitungen und Reflexionen einzureichen um so nach der Aktualität Franz von Lenbachs zu fragen.

Statement

Als ich mit der Bearbeitung der Lenbach-Skizzen begann, hatte ich die neueren Thesen zur Rezeption seines Werkes im Hinterkopf, die sein Schaffen mit der zeitgenössischen Kunst in Beziehung setzen möchten (ii).

Aber was sind eigentlich die Errungenschaften der Moderne, speziell in Bezug auf das die Darstellung des Menschen, jene Fragestellung um die es in den vorliegenden Arbeiten Lenbachs in erster Linie geht? Eine der für mich wichtigsten ist die Freiheit, dass der Mensch nicht nur "edel, hilfreich und gut" sein muss, sondern auch Dunkelheiten und Schmerz, Kanten und Narben haben darf und erst dann, wenn diese Züge in sein Portrait einfließen, wahre Größe und Schönheit haben wird. Dasselbe Prinzip auf anderer Ebene sind kritische Zwischentöne.

In diesem Sinne habe ich bei meinen Überarbeitungen Wert darauf gelegt, diese Elemente, die für mich zu den Errungenschaften der Moderne gehören, zu betonen bzw. sie überhaupt erst einfließen zu lassen:

  • Kritische Zwischentöne zur Gesellschaftsordnung bzw. eine kritische und angstfreie Auseinandersetzung mit Machtverhältnissen in Staat und Gesellschaft. Dies gefährdet zwar möglicherweise die Inszenierung der Herrschenden, eine Auseinandersetzung mit anderen Positionen ist aber für gesunde gesellschaftliche Entwicklung - wie die jüngere Geschichte gezeigt hat - unabdingbar.
  • Das Spannungsfeld zwischen Individualität und Anpassung; dazu gehören z. B Selbstinszenierung gemäß vorherrschender Modeströmungen und auch falsche Idyllen, in denen Konflikte nicht ausgesprochen werden, sondern nur der schöne Schein zählt, der um jeden Preis aufrechterzuhalten ist.
  • Unperfektheit, die zur Quelle tiefer, menschlicher Schönheit wird: z. B. tränengerötete Augen, denn "Senão é como amar uma mulher só linda; e daí?/ Uma mulher tem que ter qualquer coisa além da beleza / Qualquer coisa de triste, qualquer coisa que chora / Qualquer coisa que sente saudade / Um molejo de amor machucado... " (iii) Dieses Element sollte spürbar, wenn auch nicht dominieren sein.

Wenn die Freiheit, die vorgenannten Elemente wahr zu nehmen und ihnen in der Kunst Raum zu geben, eine Errungenschaft der Moderne darstellt, dann bleibt zu klären, inwieweit Franz von Lenbach in diesem Sinne seinen Zeitgenossen tatsächlich voraus war.

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