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Schatzsuche in der Dominikanischen Republik

Geographisch Lage unseres Abenteuers: Dominikanische Republik, genauergesagt Luperón in der Provinz Puerto Plata: alles ist ganz grün und hügelig, tolle Landschaften, ganz anders als der trockene und flache (Süd-)Osten des Landes. Zeitpunkt: Frühsommer des Jahres 2000

Das ganze "Projekt Schatzsuche" beginnt zunächst einmal hier in New York mit unzähligen Besuchen in einem speziellen Laden für Metalldetektoren jedweder Art und Preisklasse. Mir ist es schon fast peinlich, weil wir uns immer alles ganz genau anschauen und erklären lassen, aber nie etwas kaufen. Schließlich kann R. mit Hilfe eines Freundes doch noch genügend Geld zusammenkratzen, um den "allerneuesten" Apparat zu erstehen: Ein kleiner Plastikkasten, der auf einem Griff drehbar gelagert ist, vorne ragt eine Antenne raus, die dann messen soll, wo sich jetzt Gold (oder wahlweise Silber) befindet. Das ganze kommt in einem silbrig glänzenden Metallkoffer, der den Leuten beim Sicherheitscheck am Flughafen einiges Kopfzerbrechen bereiten wird...

Als ich im Dezember des Vorjahres zum ersten Mal nach Luperón gekommen war, erhielt ich ja einen ersten Eindruck, wie die Bewohner dort drauf sind: so ungefähr in jedem zweiten Haus ist anscheinend irgendwie ein Schatz vergraben. Die Leute dort haben scheinbar nichts anderes im Kopf als "vergrabene Schätze. René mit seinem geheimnisvollen Apparat war dann natürlich auch sehr gefragt und ständig kamen irgendwelche Leute, die wollten, dass er ihre Hinterhöfe vermißt, und ihnen sagt, wo der Schatz jetzt genau vergraben sei.

Bei diesen Schätzen gibt es drei verschiedene Klassen. Zum einen mal Reliquien der Taino-Indianer, also der Ureinwohner der Insel, bevor sie von Kolumbus entdeckt wurde. Dann gibt es die "historischen Schätze", die von den Piraten vergraben wurden. Die Bucht von Luperón gilt als einer der weltweit wichtigsten und sichersten natürlichen Häfen, und Kolumbus' erster Landungsplatz auf der Insel war ja auch an der Nordküste gewesen (in "La Navidad" - heute in Haiti, wurde aber von den Indianern vernichtet, als er aber dann noch mal mit einigen tausend Mannen kam, gründete er eine Festung die er "La Isabela" (nach der Spanischen Königin) nannte, und die nur ca. 18 km von Luperón entfernt ist. Der Umzug an die Südküste und die Gründung von Santo Domingo (der heutigen Hauptstadt) erfolgten, weil sich in La Isabela eine nicht zu beherrschende Insektenplage (manche sagen Ameisen, andere sagen Moskitos) entwickelte - also packte Kolumbus alle Mannen wieder auf die Schiffe, und umrundete die Insel.).

Die dritte Art von Schätzen sind die von Privatleuten, die einfach keine andere Möglichkeit hatten, ihren Reichtum aufzubewahren - es gab keine Banken, oder die Zeiten waren einfach politisch unruhig (Diktatur von Trujillo, etc.). Diese Leute vergruben ihre "Onzas" eben irgendwo im Garten, teilweise vergaßen sie, wo genau, oder andere nahmen ihr Wissen mit ins Grab.

An dieser Stelle kommt dann auch der Volksglaube mit in Spiel: ein Toter, der noch irgendwo einen Schatz (aus seiner früheren Existenz) vergraben hat, kann nicht in Frieden ruhen, und geistert so lange herum, bis irgendwer diesen Schatz hebt, und ihn somit erlöst. So kommt es immer wieder vor, dass Leute "im Traum" Besuch von irgendwelchen Toten kriegen (teilweise kennen sie die, oder auch nicht), und einen Schatz "geschenkt" bekommen. Teilweise auch mit sehr genauen Ortsangaben und Instruktionen. Daneben existieren auch die Schätze, die "niemandem gehören", die einfach irgendwie in der Geschichte verloren gegangen sind.

Sechs Wochen Schatzsuche haben uns ein ganzes Sammelsurium von Erfahrungen hinterlassen, teils aus Geschichten, die andere Schatzsucher erzählt haben (es gibt in Luperón ganz real Leute, die urplötzlich zu Reichtum gekommen sind, und "man" weiß halt, dass irgendwer was gefunden hat - offiziell sagen tut dass natürlich keiner was).

Da gibt es z. B. so eine Geschichte, dass Männer an einem verlassenen Strand dabei waren eine riesige Kiste auszugraben, als sich plötzlich übers Meer ein Boot mit altertümlich uniformierten Männern näherte... ein mit sonderbaren Ketten geschmückter Mann näherte sich dem Ausgrabungsloch mit Drohgebärden, und als keiner auf ihn achtete, verwandelte er sich in einen tobenden Stier, der lustigerweise dieselbe Schmuckkette um den Hals hängen hatte, wie vorher der Mann... Der Arbeiter, der uns diese Geschichte erzählte, sagte, er hätte sich dann einfach so lange in das Ausgrabungsloch gekauert, bis der Stier wieder weg war, und dann weitergegraben... gefunden wurde in dieser Nacht aber nichts, einige Nächte später jedoch seien dann andere Leute an dieselbe Stelle gegangen - und das ist heute die Besitzer der Tankstelle und des lokalen Supermarktes...?!?

Wir lassen uns daraufhin beim Pfarrer beraten, wie das denn nun so sei, mit den Toten und so, aber, der ist aber eher nüchtern-westlich drauf, und meint, von den Toten sei nichts zu befürchten, die seien tot (und wenn wir Weihwasser bräuchten - das war eigentlich der Grund für den Besuch gewesen, weil man uns empfohlen hatte, bei den Ausgrabungen immer welches dabei zu haben - könnten wir von ihm so viel bekommen, wie wir nur wollten).

Ich bin mit dieser Auskunft (nämlich der abwiegelnden bezüglich der Toten) sehr zufrieden, R. aber nicht, und deswegen gehen die Beratungen bei anderen "Spezialisten" weiter, nämlich den "Curanderos", die dem Volksglauben mehr nahestehen. Dieser Volksglaube hat viel mit der Afrikanischen Götterwelt zu tun, offiziell sind das in der Dominikanischen Republik dann aber keine "Götter", sondern ein riesiges Sammelsurium von Heiligen. Jeder Heilige hat dabei eine bestimmte Farbe zugeordnet, und man kann dann auch Fläschchen mit eingefärbten Wässerchen kaufen... Für die Schatzsuche ist der "San Elias" zuständig (Farbe Lila), der Heilige des Totenreiches, weil schließlich man ja was von den Toten will. Des weiteren erhielten wir auch noch genaue Instruktionen, wie und wo ein Altar aufzubauen sei, mit selbstfabrizierten (und schwarz bemalten) Kreuzen, Kerzen, Weihwasser, um den Hals sollte R. sich unbedingt eine Kette mit sonderbarsten Kreuzen hängen und ein besprochenes, schwarzes Tuch um die Hüften binden - zu seinem eigenen Schutz. Ferner dürfte die Anzahl der an der Ausgrabung beteiligten Menschen immer nur gerade, und jeweils entweder 2 oder 4 oder 8 (oder 16 - aber so viele kriegten wir nie zusammen) betragen.

Teils beachtet R. diese Regeln genau (gräbt aber nichts aus), gegen Ende unseres Aufenthalts hin weichten die Regeln dann aber aus praktischen Gründen von selbst auf (irgendwann ging einfach das lila Wasser aus, ich rebellierte bei diesen fürchterlichen Kreuzen, einmal waren wir einfach 10 Leute, was solls?).

Lustig finde ich ja, das ich Dingen begegnete, die ich bereits in meinen (oberflächlichen) alchimistischen Studien kennengelernt hatte. Als R. mal wieder zur Beratung bei einer "Curandero"-Frau geht, weil er bei den Grabungen einfach nichts findet, empfiehlt sie ihm in so einer "Botanica" (eine Art "Kräuterladen" - wo eben diese bunten Wässerchen verkauft werden) eine bestimmte Substanz zu kaufen. Neugierig wie ich bin, gehe ich mit, und als der Verkäufer mit dem Gewünschten ankommt, führt er es uns auch gleich vor: er öffnet die Kapsel und heraus rollt... ein Quecksilberkügelchen! "Oh, sagte ich, die sind aber giftig!" - wofür ich erst einmal einen giftigen Blick ernte (von René), und dann die Belehrung (vom Verkäufer), dass das gar nicht stimmt, weil sogar schon so Leute solche Kapseln (die ja aussehen wie Medikamente) verschluckt hätten, und "denen sei gar nichts passiert". Zu erklären, das Quecksilber ein langsam wirkendes Nervengift ist, war mir dann aber doch zu blöd (wollte ja eh keiner hören), René stopft sich das Tütchen dann in die Hosentasche, und quetschte sich dann anschließend ins Auto - aus er wieder ausstieg, hatte das Tütchen einen Fleck, wir sind uns jetzt nicht ganz sicher, ob es das vorher schon hatte, oder vielleicht war doch eine Kapsel aufgegangen??? Egal. Beim nächsten Grabungstermin wurde dieses wundersame "Mercurium" dann in das Ausgrabungsloch geschüttet (Umweltschutz - Nein danke!) - es sollte quasi den Schatz wie mit einer Hebebuhne einfach nach oben befördern - was aber natürlich nicht passiert...

Wie gesagt, so wird einfach ein Mysterium nach dem anderen durchexerziert, und abgehakt. Am Schluß gehen wir in beliebigen Konstellationen (10 Leute. Oder 5), ohne lila Wasser und Kerzen (ich glaub, Ammoniak hatten wir anfangs auch dabei, falls jemand ohnmächtig (oder von einem Toten besessen) wird - die Flasche lief uns aber im Kofferraum aus, für ein paar Tage stank das Auto bestialisch).

Fazit ist, dass René etwa 15 Grabungen gemacht hat (ich war 5 oder 6 mal dabei), keine jedoch so tief um sagen zu können: "Hier ist definitiv nichts". Dabei sind so sonderbare Entdeckungen wie eine "Beton"Platte ½ m unter dem Sand - an einer Stelle an der Küste, wo nie jemand gewohnt hat (schon die Leute von Kolumbus kannten eine Art Zement/Beton, den sie zum mauern verwendeten). An solch einer Stelle hat er auch einen mysteriösen Schuh (aus Leder, spitz zulaufend, Kindergröße) gefunden. An einer anderen Ausgrabungsstelle (auch an der Küste, auch eine Betonplatte im Sand) sind die uralten Bäume ringsum sonderbar beschnitten, Mangrovenstämme haben Einkerbungen wie von Macheten, diese Mangroven sind aber nicht abgestorben, sondern haben die Wunden überwuchert... René schätz so, dass die Bäume und Mangrovenwunden so ca. 100 oder 150 Jahre als sind - wofür er von einem Bekannten hier in NY erst einmal lächerlich gemacht werden: Kolumbus war schließlich vor 500 Jahren gelandet. Interessanterweise haben wir vorgestern bei einer Nachforschung im Internet herausgefunden, dass der berühmte Pirat Cofresi (nach dessen Schatz alle Welt sucht) gerade mal 130 Jahre tot ist...

Trotzdem: ein interessantes Mitbringsel aus der Dom. Rep. haben wir: eine kleine, sehr schwere Figur, im Stil der Taino Indianer. Spezifikationen sind:
Höhe: 7 ½ inches
Breite (Grundfläche): 3 ¾ x 4 ½ inches
Gewicht: 4 ½ pounds (approx.)
Volumen: 750 cubic cm (approx.)

Material: Unbekanntes Material. In bez. auf ihre Größe ist die Figur sehr schwer. Außerdem ist das Material anders als die Steine, die normalerweise für Taino-Skulpturen verwendet werden. Unser Metalldetektor reagiert stark auf die Figur (riecht er Gold oder ?? Geld?). Das Material ist hart, und schimmert silbrig.

Weihnachten würden wir gerne wieder rüberfliegen. Verhandlungen mit einem Baggerführer wurden schon geführt, würde die Ausgrabungsarbeiten wesentlich erleichtern.

Fortsetzung folgt?

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