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Abstrakte Malerei – Abstrakte Kunst – Absolute Kunst

Da ich mich selbst als abstrakt arbeitende Malerin bezeichne, finde ich es wichtig, mich diesbezüglich in den kunstgeschichtlichen Gesamtzusammenhang zu stellen.

Abstrakte Malerei gab es bereits in den archaischen Stilepochen, und sie wurde durch die Moderne als Ausdrucksmittel für das gewandelte Welt- und Selbstverständnis des Menschen im 20. Jahrhundert wiederentdeckt (1). Etymologisch gesehen bedeutet "Abstrakte Kunst/Abstrakte Malerei" zuallererst einmal gegenstandslose, gegenstandsfreie Kunst (vom Lateinischen: abstrahere - "loslösen")

Die Abstrakte Malerei wurde praktisch und theoretisch durch den russische Maler Wassily Kandinsky (1866-1944) begründete, wobei sich schon bald zwei Hauptströmungen bildeten: zum einen die vom Expressionismus kommende, emotional geprägte und später gestische Freie Malerei, bei der die völlige Ablösung vom Gegenständlichen angestrebt wird und die Farbe, Form, Struktur und Komposition in den Vordergrund treten lässt (Wassily Kandinsky, Ernst Wilhelm Nay, Hans Hartung); zeitgleich entstand aber auch eine vom Kubismus beeinflusste eher intellektuelle, geometrisierende Abstrakte Kunst (Michail F. Larionow, Frantisek Kupka, Kasimir Malewitsch, Piet Mondrian), eine Tendenz, die sich später zur "Post-Painterly Abstraction" weiterentwickelte: Geometrische Formen ohne jede "persönliche Handschrift" des Malers. Hauptvertreter hierfür sind Frank Stella ("What you see is what you see"), Louis Noland, Ellsworth Kelly, Al Held, Jules Olitsky.

Gemeinsam ist beiden Strömungen die Überwindung einer wirklichkeitsbezogenen Darstellung und damit ihres Ursprungs in der griechischen Kultur (deren Tradition die Darstellung des Menschen ist, im Gegensatz zur östlichen Ornamentalistik). Der Künstler möchte seine Innenwelt, das nicht-sichtbare darstellen und gibt so seiner Arbeit eine spirituell interessierte Dimension. Nur noch die Mittel Farbe, Form und Linie zählten, Struktur und Komposition treten in den Vordergrund. Abstrakt arbeitende Künstler bezeichnen ihre Arbeiten gerne als Absolute Kunst, die entfremdet von ihren kulturellen Wurzeln, eine allumgreifende Freiheit eröffnet.

Abstrakter Expressionismus, Informel, Gestik der Farbe

Etymologisch gesehen bedeutet "Expressionismus, Expressionistische Malerei" zuallererst einmal Ausdruckskunst: der Künstler möchte seine Gefühle und Gedanken ausdrücken, und zwar ungestört von gegenständlicher Darstellung.

Abstrakter Expressionismus war ursprünglich jener Begriff gewesen, mit dem in Deutschland einige der in den 1920er Jahren von Wassily Kandinsky gemalten Gemälden beschrieben wurden. Er setzte sich aber erst in den 1940er und 1950er Jahren in den USA als Ab-Ex mit der Künstlergruppe New York School durch (William Baziotes, Arshile Gorky, Hans Hofmann, Franz Kline, Willem de Kooning, Robert Motherwell, Jackson Pollock, Mark Rothko, Barnett Newman, Clyfford Still), die, teilweise beeinflusst von den aus politischen Gründen emigrierten europäischen Künstlern, eine neue, freie Form der Malerei propagierte.

In Europa entwickelte sich währenddessen der französischen Tachismus (ein spontanes Auftragen von Farbklecksen ohne überlegte Kompositionsprinzipien) und später das Informel (oder: Informelle Kunst). Letztere ist eine Strömung, die eine vollkommen "formlose Kunst" forderte und sowohl geometrische Formen als auch abstrakte Wiedergabe von realen Gegenständen und überhaupt jede Art von konzipierter Darstellung kategorisch ablehnte (Antonio Tàpies, Jean Dubuffet, Wols (Wolfgang Schulze)). Natürlich beeinflussten sich diese Strömungen immer wieder gegenseitig und es herrschte ein reger Austausch zwischen Amerika und Europa.

Informeller Abstrakter Expressionismus

Im Informellen Abstrakten Expressionismus wird auf verstandesmäßige Konzepte zugunsten eines spontanen Schaffensablauf und großformiger Gesten verzichtet. Das Resultat ist eine unmittelbare, raschen Arbeitsweise, die manchmal auch als Automatismus bezeichnet wird. Ziel ist ein Werk, das idealerweise ohne jede Kontrolle durch den Verstand entsteht und somit jenseits jeder ästhetischen und moralischen Anschauung steht.

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